Projekt – Avlékété, Benin

Das neue Jahr hat mit einer Reise in den Süden von Benin begonnen. Hier haben wir uns mit Séverin Tchibozo vom „Centre de Recherche pour la Gestion de la Biodiversité (CRGB)“ getroffen, um unser gemeinsames Projekt mit dem Titel “Des Leçons sur la mangrove“ zu planen und Feldarbeiten in der Lagune von Ouidah durchzuführen.

Benin liegt am Golf von Guinea in Westafrika und grenzt an Togo, Burkina Faso, Niger und Nigeria. Die Küstenzone von Benin besteht aus rund 120 Kilometern Sandküste. Die Mangroven von Benin befinden sich entlang des ausgedehnten Netzes von Brackwasser-Küstenlagunen im Süden des Landes (UNEP, 2007). In der Küstenzone gibt es fünf Küstengemeinden (Sèmè-Podji, Cotonou, Abomey-Calavi, Ouidah und Grand Popo). Mehr als drei Millionen Menschen leben in der Küstenzone von Benin (INSAE, 2016).

Viele Menschen in der Küstenzone sind von dem ressourcenreichen Ökosystem abhängig. Mangroven werden für direkte und indirekte Produkte wie Holz (Holzenergie, Baumaterial), Salzgewinnung, Fischerei (Fische, Weich- und Krebstiere), Futter für Herden und medizinische Zwecke genutzt. Aufgrund der intensiven Nutzung ist der Mangrovenbestand bereits stark degradiert. Der hohe Nutzungsdruck erhöht das Risiko, dass die Funktion des Ökosystems insgesamt beeinträchtigt wird, mit Auswirkungen auf die umliegenden Gemeinden. Möglichkeiten zur Einkommensdiversifizierung und Sensibilisierung für die Bedeutung des Ökosystems in Form von Umweltbildung sind wichtige Schritte, um einer fortschreitenden Degradation entgegenzuwirken.

Genau dort setzt unser Projekt “Des Leçons sur la mangrove“ an:

In Avlékété, einem Küstendorf im Distrikt Ouidah in Benin, soll im Rahmen einer Schulpartnerschaft Schüler*innen Wissen zu Mangroven vermittelt werden. Ziel des Projektes ist es, junge Menschen zu befähigen, sich aktiv für den Schutz der Mangroven zu engagieren und diese langfristig zu erhalten, da sie durch eine Vielzahl von Ökosystemdienstleistungen erheblich zum Wohlergehen der Küstengemeinden beitragen. Die Zerstörung der Mangroven wirkt sich insbesondere auf das Einkommen, die Gesundheit und die Sicherheit der lokalen Bevölkerung aus (Gnansounou et al. 2021). Haupteinnahmequellen der lokalen Bevölkerung sind die Fischerei, Salzgewinnung und Landwirtschaft – alle drei Wirtschaftszweige sind direkt oder indirekt mit den Mangroven verbunden.

Im Rahmen des Projektes soll unter anderem eine Mangroven-Baumschule auf dem Schulgelände, wenige Meter von den Mangroven entfernt, errichtet werden. Durch eine Mischung aus Theorie und Praxis – Unterrichtseinheiten, Exkursionen und Schulungen – soll bei den Schüler*innen das Bewusstsein für Mangroven gestärkt werden. In der Baumschule können die Schüler*innen praktische Fertigkeiten in der Aufzucht erlernen und die natürliche Regeneration der Mangroven in der Lagune unterstützen.

Die Baumschule wird durch die Schule, die Schüler*innen sowie durch eine lokale Person aus dem Dorf Avlékété und Séverin Tchibozo als Supervisor betreut. Die Auspflanzung und die Auswahl der konkreten Pflanzstellen werden in Absprache mit den Bewohnenden des Dorfes erfolgen. Die ausgebrachten Pflanzen werden markiert, um das Pflanzenwachstum und -überleben zu protokollieren sowie den Schul- und anderen Interessengruppen regelmäßiges Feedback zum Status der Pflanzen geben zu können. Das Projekt hat den Anspruch erfolgreiche und replizierbare Ansätze zu entwickeln, die im Erfolgsfall auf andere Standorte (Dörfer und Schulen) entlang der Küstenlagune übertragen werden können.


Drei Gründe, weshalb Mangroven die lokale Fischerei stärken:

  • Das tote Pflanzenmaterial der Mangroven (Laubstreu, Totholz) wird im Wasser zersetzt und dient als Nahrung für marine Lebewesen – was Mangroven zu einem wichtigen Teil der Nahrungskette macht.

  • Mangroven dienen als Brutstätte und Kinderstube für Fische, Weich- und Krebstiere – neben Nahrung bieten die Strukturen der Mangroven mit ihrem dichten Wurzelgeflecht Schutz vor Fressfeinden.

  • Mangroven sind Lebensraum für Schalentiere wie Austern, welche auf den Wurzeln halt finden und wachsen.

Fischer in der Lagune von Ouidah haben bereits festgestellt, dass die Größe und die Anzahl der Fische im Laufe der Jahre abgenommen haben (Agoungbome et al., 2020). Die gefangenen Fische werden immer kleiner und Krabben in bestimmten Teilen der Lagune selten (eigene Erhebung durch Gespräche mit Fischern, Januar 2022).

Salzgewinnung:

Die Salzgewinnung hat eine lange Tradition in Benin. Begonnen zwischen 1420 und 1550, wird diese seither in den Distrikten Avlékété, Djègbadji und Houakpèdaho praktiziert. Die Salzgewinnung ist eine handwerkliche Aktivität der Frauen und stellt eine wichtige Einnahmequelle von Januar bis Mai (Trockenzeit) dar. Die Salzgewinnung gilt in der Region als treibende Kraft bei der Zerstörung der Mangroven, da in dem Prozess für verschiedene Zwecke Holz verwendet wird.

Die Standorte für die Salzgewinnung finden sich im an die Lagune angrenzenden Grasland, welches jahreszeitlich überflutet wird. Die Fläche für die Salzgewinnung wird vor der Nutzung brandgerodet. Die Körbe zur Gewinnung der Sole werden aus Mangrovenholz hergestellt und anschließend mit dem salzhaltigen Boden befüllt. Anstehendes Wasser wird entnommen und in die mit salzhaltigem Boden befüllten Körbe gegeben, um das Salz auszuwaschen. Mittels Filtration wird in Löchern/Behältern unterhalb der Körbe die Sole gewonnen. Als Qualitätsanzeiger werden zumeist Ölpalmsamen verwendet → schwimmt der Samen oben, ist der Salzgehalt ausreichend und die Sole von guter Qualität. Die aus dem Filtrationsprozess gewonnene Sole wird durch Verbrennung von Holz zum Kochen gebracht, dabei verdampft die Salzlösung und das Natriumchlorid kristallisiert.

Landwirtschaft:

Das sedimentäre organische Material aus den Mangroven wird auf Felder ausgebracht und dient dort als organischer Dünger.


 

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BIC : TRODDEF1

Verwendungszweck: Projekt Benin

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Quellen:

Agoungbome, S. M. D., Gbenontin, E., & Thiam, M. (2020). Mangroves under demographic pressure and salt production threats in the Municipality of Ouidah (Benin). In International Conference on Innovations and Interdisciplinary Solutions for Underserved Areas (pp. 105-118). Springer, Cham.

Gnansounou, S. C., Toyi, M., Salako, K. V., Ahossou, D. O., Akpona, T. J. D., Gbedomon, R. C., … & Kakaï, R. G. (2021). Local uses of mangroves and perceived impacts of their degradation in Grand-Popo municipality, a hotspot of mangroves in Benin, West Africa. Trees, Forests and People, 4, 100080.

INSAE (Institut National de la Statistique et de l’’Analyse Economique), 2016. Effectif De La Population Des Villages Et Quartiers De Villes Du Bénin. RGPH 4, République du Bénin https://www.insae-bj.org/images/docs/insae-statistiques/demographiques/

UNEP (2007) Mangroves of Western and Central Africa. UNEP-Regional Seas Programme/UNEP-WCMC.