Mangroven

Was sind Mangroven?

Mangroven sind Wälder zwischen Land und Meer, gelegen an den tropischen und subtropischen Küsten der Welt. Sie bestehen aus Bäumen, Sträuchern, Palmen und Bodenfarnen, womit sie ein einzigartiges Ökosystem formen. Eine Besonderheit der Mangrovenbäume ist ihr hochentwickeltes Wurzelsystem. Dabei wird unterschieden zwischen: Stelz-, Knie-, Stift-, Kegel- und Brettwurzeln (siehe unten). Der Begriff “Mangrove” beschreibt sowohl das Ökosystem als Ganzes, als auch die Pflanzenarten, die es umfasst.

Wo wachsen Mangroven?

Mangrovenwälder kommen in 118 Ländern (Giri et al., 2011), beidseits des Äquators, vor (Abbildung 1). Sie besiedeln rund 0,5% der weltweiten Küstenfläche (Alongi, 2014) und machen 0.7% der tropischen Waldfläche aus (Giri et al., 2011). Der Indo-Westpazifik weist die größten und artenreichsten Mangrovenwälder auf. Mit zunehmendem Breitengrad werden sie artenärmer. In Asien befinden sich rund 38,7% der weltweiten Mangrovenbestände, gefolgt von Lateinamerika und der Karibik mit 20,3%, Afrika mit 20.0%, Ozeanien mit 11,9%, Nordamerika mit 8,4% und europäische Überseegebiete mit 0,7% (Bunting et al., 2018). Mangroven brauchen Wassertemperaturen von mindestens 20°C, weswegen sie im Bereich kalter Meeresströmungen nicht zu finden sind (Hogarth, 2015). Sie wachsen in der Gezeitenzone – Flussdeltas- und mündungen sowie Küstenlagunen sind besonders geeignete Habitate.

Abbildung 1 Weltweite Verbreitung von Mangrovenwäldern. (Quelle: Giri et al., 2011)

Physiologie

Der Lebensraum der Mangroven ist unwirsch – mit schlammigen, sauerstoffarmen Böden, Gezeitenwechsel sowie hohen Salzgehaltschwankungen. Verschiedene physiologische und morphologische Anpassungen ermöglichen es ihnen hier zu leben. Am auffällisten sind die verschiedenenen Formen von Luftwurzeln. Die oberirdischen Wurzelorgane sorgen dafür, dass die Pflanze, im sauerstoffarmen Boden und während der Flut, mit Sauerstoff versorgt wird. Sogenannte Lentizellen –  feinste Poren – dienen dem Gasaustausch, der Sauerstoff wird durch Diffusion in die Pflanzenteile geleitet. Mangroven zählen zu den Halophyten – Pflanzen, die an salzhaltigen Standorten wachsen. Dabei unterscheiden sich die Arten allerdings in ihrer Salztoleranz. Sie besitzen verschiedene Mechanismen zur Salzregulierung. Manche Arten scheiden das aufgenommene Salz aktiv über Salzdrüsen aus, andere reichern das Salz in ihren Blättern an, um sie dann abzuwerfen. Auch kann die Salzaufnahme in den Wurzeln durch Ultrafiltration eingeschränkt werden (Hogarth, 2015).

Reproduktion

Die Blüten der Mangrovenbäume werden von Insekten (u.a. Bienen, Faltern, Schmetterlingen), Fledermäusen, Vögeln und durch Wind bestäubt. Nach der Bestäubung keimen die Samen am Mutterbaum (Viviparie / Kryptoviviparie). Diaspore (Verbreitungseinheit) sind schwimmfähige Keimlinge (Propagul), welche abgeworfen werden. Die Strömung verdriftet die im Wasser treibenden Keimlinge, bis sie an einem geeigeneten Ort wurzeln (Hogarth, 2015).

Warum sollten wir uns für Mangrovenwälder interessieren?

Mangrovenwälder sind effiziente CO2-Senken – eine Pflanzengesellschaft, die in der Bilanz mehr Kohlenstoff aufnimmt und diesen als Biomasse speichert, als sie wieder abgibt, wodurch der CO2-Gehalt in der Atmosphäre sinkt. So tragen sie zur Abschwächung des Klimawandels bei (Stichwort: “Blue Carbon” siehe unten). Auch bieten sie einer Vielzahl von Tieren einen Lebensraum, tragen zum Erhalt gesunder Ozeane bei, dienen als natürliche Kläranlage sowie Küstenschutz. Als Lebensgrundlage reduzieren sie Armut und Hunger in den Regionen.

Coastal Blue Carbon

Der Begriff “Coastal Blue Carbon” bezieht sich auf den von Küstenökosystemen gebundenen Kohlenstoff. Dazu gehören Salzmarschen, Seegraswiesen und Mangrovenwälder. Mangroven nehmen das Treibhausgas Kohlenstoffdioxid (CO2) auf, binden es in ihrer Biomasse, aber vor allem in den Böden und Sedimenten in denen sie wurzeln. Durch die Abholzung wird das CO2 langsam wieder freigesetzt.

UN-Nachhaltigkeitsziele: Naturschutz und Menschenrechte gehen Hand in Hand!

Weltweit stehen Waldökosysteme unter Druck. Vor allem im globalen Süden erfolgen großflächige Rodungen, zum Beispiel für Aquakulturflächen, Palmöl- und Reisplantagen. Bedient werden in erster Linie die Märkte Europas und Nordamerikas. Der kurzfristige Profit wird dabei auf Kosten langfristiger Zerstörung erwirtschaftet, mit weitreichenden negativen Folgen für Mensch und Umwelt.

Die im Jahr 2015 von den Vereinten Nationen verabschiedeten “Ziele für nachhaltige Entwicklung” (Sustainable Development Goals) greifen diese Missstände auf und verlangen ein Gegenwirken. In 17 einzelnen Zielen werden Maßnahmen zur Verbesserung der Lebensverhältnisse der Menschen, zum Schutz der Ökosysteme und des Klimas gefordert.

Diese Ziele stehen auch im Zusammenhang mit den bedrohten Mangrovenwäldern. Denn die Zerstörung der Mangrovenwälder und der Verlust ihrer Bestände haben direkte Auswirkungen auf das Klima, die Biodiversität und die soziale Lage der lokalen Bevölkerung:

  • Der Klimawandel verändert die Welt und immer mehr Menschen sind vom Anstieg des Meeresspiegels, von Überschwemmungen und Dürren betroffen. Vor allem in den Ländern des globalen Südens ereignen sich Naturkatastrophen und Extremwetterereignisse häufiger und mit zunehmender Heftigkeit. Der Klimawandel betrifft uns alle, deswegen müssen kohlenstoffbindende Ökosysteme wie Mangrovenwälder geschützt werden.
  • Mangroven tragen zum Erhalt gesunder Ozeane bei. Sie sind die “Kinderstube” einer Vielzahl von Fischarten und verbessern die Wasserqualität der Küstenregionen.
  • Mehr als 700 Millionen Menschen leben heute in extremer Armut (BMZ). Die wachsende Ungleichheit steigert politische und soziale Spannungen und führt zu Instabilität und Konflikten. Eine Welt ohne Armut und Hunger ist die Grundlage für Gesundheit, Bildung, Gleichheit und soziale Entwicklung. Unser globales Wohlbefinden ist miteinander verbunden.