Weltklimarat

Der Weltklimarat hat im August 2019 einen Sonderbericht über Klimawandel und Landsysteme (SRCCL) veröffentlicht. Darin wird aufgezeigt, welche Wechselwirkungen zwischen Klima, Ökosystemen und Landnutzung bestehen.

Im Ergebnis fordert er eine rasche Änderung in der Art der globalen Landnutzung und des Landmanagements. Ziel muss eine nachhaltige Land- und Forstwirtschaft, verbunden mit einer klimafreundlichen Ernährungsweise sein. Land- und Forstwirtschaft sowie andere Landnutzungen gelten als signifikante Treibhausgasquellen. Sie sind für rund 23% der menschlichen Netto-Treibhausgasemissionen verantwortlich.

Gewarnt wird vor dem unwiderruflichen Verlust von Ökosystemen, deren Böden und Vegetationen als bedeutende Treibhausgassenken fungieren. In diesen Ökosystemen werden etwa 11,2 Gigatonnen Kohlenstoffdioxid (GtCO2) pro Jahr gespeichert, was rund 29% der weltweiten CO2-Emissionen entspricht. Die Beständigkeit wird allerdings, aufgrund des Klimawandels und den schwer vorhersehbaren Veränderungen, als unsicher angeben. Alle Szenarien, die das Ziel verfolgen, die Erderwärmung auf maximal 1,5 oder 2 Grad Celsius zu begrenzen, erfordern zwingend eine globale Veränderung der Landnutzung, welche aus Kombinationen von Wiederaufforstung, Aufforstung, einer reduzierten Entwaldung und der Nutzung von Bioenergie bestehen.

Küstenökosysteme wie Mangrovenwälder, Sümpfe und Seegraswiesen werden in dem Bericht als wichtige Kohlenstoffsenken benannt. Der Verlust dieser Ökosysteme führt zu einer erheblichen Kohlenstoff-Freisetzung (0,15 – 1,02 GtC pro Jahr) (Pendleton et al., 2012). Eine Verringerung der Eingriffe in diese Ökosysteme kann umgekehrt zu einer Reduktion der CO2-Emissionen von 0,11 – 2,25 GtCO2 -Äquivalent pro Jahr bis 2050 beitragen (Pendleton et al., 2012; Griscom et al., 2017; Howard et al., 2017; Hawken et al., 2017). Ebenso kann die Renaturierung von Mangrovenwäldern eine Freisetzung von 0,07 GtCO2 pro Jahr verringern, indem durch Wiedervernässung die Speicherkapazität reaktiviert werden kann (Crooks er at., 2011). Hierdurch können 0,02 – 0,84 GtCO2 pro Jahr in Biomasse und im Boden aufgenommen werden (Griscom et al., 2017).

Der Bericht zeigt auf, dass einige Handlungsoptionen unmittelbare Wirkungen erzeugen können, während andere Jahrzehnte brauchen, bis sie messbare Ergebnisse erzielen. Der Erhalt von Ökosystemen mit hohem Anteil an gespeichertem Kohlenstoff, wie Mangroven, Moore und Wälder, entfaltet sofortige Wirkung. Renaturierungsmaßnahmen wie Aufforstung und Wiederaufforstung sowie die aufwendige Wiederherstellung von Ökosystemen mit hoher Kohlenstoff-Speicherfunktion und die Rückgewinnung degradierter Böden werden jedoch viel mehr Zeit in Anspruch nehmen, bis sie einen Beitrag gegen den Klimawandel leisten. Der Erhalt bestehender Ökosysteme ist demnach die effizienteste und einfachste Handlungsoption.

Daher ist es zwingend erforderlich, die heute noch bestehenden Ökosysteme zu schützen, ihre Zerstörung zu verhindern und ihren Erhalt zu fördern!

 

Der neue Sonderbericht des Weltklimarats thematisiert den Ozean und die Kryosphäre in einem sich wandelnden Klima (SROCC). Der Bericht umfasst die Folgen für Ökosysteme und Menschen sowie Herausforderungen und Handlungsmöglichkeiten. So wird eine Wiederherstellung von Küstenökosystemen wie Mangroven, Salzmarschen und Seegraswiesen als eine Weiche genannt, um den Klimawandel zu mindern. Diese können pro Jahr rund 0,5% der weltweiten Emissionen durch die Kohlenstoffaufnahme und -speicherung reduzieren. Die Speicherung von Kohlenstoff in Böden und Sedimenten kann dabei bis zu 1.000 Tonnen Kohlenstoff (tC) pro Hektar betragen und ist damit viel höher als in den meisten terrestrischen Ökosystemen. Ebenso haben sie eine wichtige Funktion als Küstenschutz. Schäden durch Überflutungen könnten jährlich um >15% reduziert werden (Beck et al., 2016; Narayan et al., 2017). Weiterhin wird darauf hingewiesen, dass Maßnahmen zum Erhalt ebenso zur Verbesserung der Wasserqualität sowie zur Förderung der Artenvielfalt und der Fischerei beitragen.

Die zahlreichen menschlichen Eingriffe, welche auf diese Ökosysteme wirken, führen dazu, dass diese ihre Fähigkeit zur Anpassung an den Klimawandel und zur Bereitstellung von Ökosystemdienstleistungen verlieren. Küstenökosysteme sind betroffen durch eine Kombination von Faktoren – wie Meeresspiegelanstieg, anderen klimabedingten Veränderungen der Ozeane sowie negativer Auswirkungen menschlicher Aktivitäten an Land und Meer. Dementsprechend können gezielte Eingriffe des Menschen sowie der Erhalt dieser Lebensräume die Anpassungsfähigkeit natürlicher Systeme an den Klimawandel verbessern, Kohlenstofffreisetzungen verringern und damit zur Kimaanpassung beitragen. Die Kosten für die Wiederherstellung und Erhaltung von Küstenlebensräumen hängen von verschiedenen Faktoren – wie Umgebung, Lebensraumtyp und den Projektbedingungen – ab. Im Allgemeinen sind diese bei Mangrovenwäldern am geringsten (Bilkovic, 2017).

Die klimawandelbedingte Zunahme von Fluten, Stürmen und Überschwemmungen gefährden zunehmend Küsten und Inselgemeinden. Vor allem niedrig gelegene Küstengebiete (weniger als 10 m über dem Meeresspiegel) sind dicht besiedelt und damit den Gefahren des Ozeans besonders stark ausgesetzt. Alle möglichen Küstenschutzmaßnahmen haben ihre Grenzen. Ökosysteme wie Mangroven, Salz- und Seegraswiesen tragen jedoch dazu bei, die Risiken und Auswirkungen des Klimawandels auf die Küsten zu verringern.